Bewertungsgrundlagen für Prüfungsleistungen

Rahmenbedingungen und Begriffe

Dieser Bewertungsleitfaden richtet sich an die Bachelor (und Master) Studierenden des Fachbereichs Geographie der Philipps-Universität Marburg. Er verfolgt das Ziel, ein zureichendes Maß an Vergleichbarkeit und Transparenz für die Durchführung und Bewertung von Prüfungsarbeiten zu schaffen. Der Leitfaden regelt verbindlich, welche Anforderungen an Studierende gestellt werden und dient so als Grundlage zur Selbsteinschätzung und kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit. Den Studierenden werden so die von der Kursleitung angewendeten Bewertungskriterien nachvollziehbar dargestellt. Diese Kriterien sind zwar die Grundlage für eine Bewertung, diese bleibt jedoch notwendigerweise subjektiv

Prüfungsarbeiten sind nach Maßgabe der Bachelor-Prüfungsordnung (BSc. PO, 2008) in ihrer Zielsetzung und ihrem Umfang sowohl als eine zentrale Studienleistung in der Ausbildung, als auch ein zu bewertender Nachweis des „Gesamt-Lernerfolges“. Mit Prüfungsleistungen soll also hinsichtlich inhaltlicher und formaler Aspekte der Nachweis erbracht werden, dass die Studierenden selbständig eine Problemstellung der Fachrichtung mit wissenschaftlichen Methoden in gesetzter Frist bearbeiten können (vgl. z.b. §11,3, BSc. PO, 2008). Folgt man Deiniger, können Abschlussarbeiten als „Prüfungsleistungen mit wissenschaftlichem Anspruch“ (Deiniger et al. 1996:7) bezeichnet werden.

Da der Begriff „selbständiges wissenschaftliches Arbeiten“ nicht näher definiert und daher auch nicht hinsichtlich konkreter Bewertungskriterien belastbar ist, sollen die im Modul Geoinformatik (MGI) an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gestellten Anforderungen und Bewertungskriterien, so verlässlich wie möglich, skizziert und anhand konkreter Kriterien benannt werden. In Teilen basiert der vorgelegte Kriterienkatalog auf den Überlegungen von Lorenzen (2002) und Boles (2002) sowie einer anhaltenden fachbereichsinternen Diskussion.

Der Begriff der Wissenschaftlichkeit

Die Terme „wissenschaftliches Arbeiten“ bzw. „mit wissenschaftlichen Methoden“ sind in der Literatur definiert und werden im Studienverlauf aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln (Seminaren, Übungen etc.) beleuchtet. Weiter gibt es leicht verfügbare, einschlägige Literatur, so etwa in Backhaus & Tuor (2008), Baade et al. (2005) oder auch Bänsch (2003), die alle wesentlichen Aspekte ausführlich herleiten, diskutieren und mit entsprechenden Quellen zur Vertiefung versehen. In der nachfolgenden, modifizierten Liste werden in Anlehnung an Lorenzen (2002) die für Studierende resultierenden Anforderungen stichwortartig zusammengestellt und nicht näher erörtert. Wissenschaftliches Arbeiten kann wie folgt skizziert werden (nach Lorenzen, 2002):

  • Integration und souveräne Verwendung des im Studium erworbenem Fach-/Methodenwissen
  • Fähigkeit zum selbstständigen systematischen und methodisch korrekten Bearbeiten und Lösen einer Frage/Problemstellung
  • Fähigkeit von Diskurs- und Kritikfähigkeit
  • Fähigkeit zur transparenten, logischen und prägnanten Argumentation und Ausdrucksweise
  • Fähigkeit einer formal und inhaltlichen korrekte Präsentation (z.B. Artikel, Ausarbeitung, Poster, Vortrag) der Ergebnisse

Auf dieser Grundlage wird die Rezeption und Anwendung einer „guten wissenschaftlichen Praxis“ für das MGI vorausgesetzt. Für eine Vertiefung, insbesondere der vielfach ignorierten ethischen Aspekte von Wissenschaftlichkeit, sei auf das Positionspapier der DFG (1998) verwiesen. Diese Position hat u.a. auch Eingang in das Hessische Hochschulgesetz (HSchulG 2010) gefunden und ist bei etwaigen Verstößen gesetzliche Grundlage für die Bewertung wissenschaftlicher Arbeitsweise für Berufswissenschaftler.

Selbstständige wissenschaftliche Problembearbeitung

Ein zentrales, wenn nicht das zentrale, Ziel der universitären Ausbildung ist die Vermittlung der Schlüsselkompetenzen für kreatives, kritisches, selbstständiges und wissenschaftlich korrektes Bearbeiten von mehr oder weniger originellen Problemen und Fragestellungen der jeweiligen Fachrichtung. Konsequenterweise werden solche Fähigkeiten auch für die Erstellung der Prüfungsarbeiten (Projektarbeiten, Abschlussarbeiten etc.) von den Studierenden erwartet. Lorenzen (2002) charakterisiert diese Fähigkeiten und ihre Anwendung hinsichtlich ihrer Bewertung folgendermaßen: „Wesentlich für die Erlangung einer guten Note ist, ein überschaubares Problem a) innerhalb einer bestimmten Frist b) selbstständig, wenn auch durch Fachleute betreut, c) mit geeigneten wissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten sowie d) in einer anerkannten wissenschaftlichen Form darzustellen“ (Lorenzen, 2002:3). Um mögliche Interpretationsspielräume weiter einzugrenzen, präzisiert Lorenzen im folgenden Text diese Aussage:

„Die Selbstständigkeit beginnt mit der Auswahl eines der vom Prüfer vorgegebenen Themen oder eigenen thematischen Vorschlägen und zeigt sich bei der Abgrenzung des Themas, in der Formulierung des Untersuchungsansatzes, der Materialauswahl und in der Entscheidung für den geeigneten Lösungsweg (Methode). […].

Als wissenschaftlich korrekt gilt eine Arbeit, in der alle in der Einleitung aufgeführten thematischen Fragen beantwortet, alle Feststellungen und Behauptungen nachprüfbar belegt und in sich schlüssig bewiesen sind. Das willkürliche Weglassen von Teilaspekten eines Themas oder eine unvollständige Argumentation in der Beweiskette gelten als schwere wissenschaftliche Mängel. Persönliche Ansichten des Autors (»Vorurteile«) müssen sehr kritisch reflektiert werden. […] Darunter fällt auch das Verlangen nach unbedingter Ehrlichkeit des Autors bei der Offenlegung der Quellen, aus denen Erkenntnisse, Argumente und Anregungen gewonnen wurden.“ (Lorenzen, 2002:4)

Die angesprochenen Aspekte sind zentraler Kanon wissenschaftlicher Ausbildung und universitären Selbstverständnisses. Sollte dennoch Unklarheit über diese dem MGI zugrunde liegenden Verständnis der selbständigen wissenschaftlichen Problemlösung herrschen, wird zur Vertiefung auf auf die zitierte Literatur verwiesen. In der Projektarbeit sind Fehler oder Verstöße gegen diese Praxis daher keineswegs „Kavaliersdelikte“, sondern ein klarer Verstoß gegen anerkannte Regeln und ethische Selbstverpflichtung wissenschaftlicher Arbeitsweise. Die Konsequenzen für Studierende, hier bezogen auf eine Prüfungsleistung, sind weit gespannt und reichen von einer nicht ausreichend zu bewertenden Leistung bis hin zu rechtlichen Schritten (DFG 1998 ; vgl. auch Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Geographie, 2006).

Bachelorarbeiten und Projektarbeiten

Prüfungsarbeiten sind formal, inhaltlich und stilistisch auf eine definierte Art und Weise zu verfassen. Werden keine gesonderten Absprachen getroffen, gelten die verbindlichen Richtlinien zur Anfertigung von Referaten, schriftlichen Hausarbeiten, Diplom-, Bachelor- und Masterarbeiten im Fachbereich Geographie (Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Geographie, 2007). Das Geoinformatik-Abschlussprojekt (GAP) im BA-Studiengang Geographie dem 3. Semester zugeordnet. Die Prüfungsleistung besteht aus der Einreichung eines wissenschaftlichen Posters, das zusätzlich in einer Posterpräsentation mit Diskussion der Ergebnisse vorzustellen ist. Ziel des GAP ist das Einüben der konzeptionellen und technischen GI-S-Fähigkeiten im Rahmen einer anwendungsorientierten, individuellen wissenschaftlichen Arbeits- und Kommunikationsweise (Posterpräsentation).

Inhalte

Die Prüfungsarbeit (PA) sollte in Absprache mit den Betreuern eine eigenständig entwickelte Fragestellung zugrunde liegen. Die Studierenden sollen die im Studium/Kurs vermittelten Inhalte und Methoden konkret mit Hilfe geeigneter Mittel (Geoinformationssoftware, Programmierung, Literaturrecherche) bei der Bearbeitung ihrer Fragestellung anwenden und gegebenenfalls weiterentwickeln.

Betreuer/Gutachter

Die Betreuung der Arbeiten wird von hierzu berechtigten Personen durchgeführt. Die Betreuer stehen auf konkrete Nach- und Anfragen und zu regelmäßigen Terminen nach Absprache zur Verfügung. Die Betreuer sind i.d.R. Gutachter.

Dauer und Arbeitsaufwand

Der vorgesehene zeitliche Aufwand zur Bearbeitung der Arbeiten richtet sich nach den in der Studienordnung festgegten ECTS Punkten.

Wiederholung

Die Prüfungsleistungen können im Falle des Nicht-Bestehens gemäß Prüfungsordnung einmal wiederholt werden.

Bewertung

Als Bewertungsgrundlage sind formal korrekte, rechtzeitig eingereichte Arbeiten gültig. Bitte beachten Sie dass sogenannte KO-Kriterien Anwendung finden. Bei Nichterfüllung eines solchen Kriteriums gilt die Arbeit ungeachtet der insgesamt erreichten Punktzahl als nicht bestanden.

Das PA wird nach kognitiven Kriterienkategorien (Wissen, Verstehen, Anwenden, Synthese/Transfer und Evaluation/Bewertung) bezogen auf wissenschaftliche Arbeitsweise und Präsentation sowie geographische und geoinformatische Arbeitstechniken bewertet (vgl. hierzu Bloom 1971; Anderson &  Krathwohl 2001). Die kognitiven Kriterienkategorien werden durch die Kategorien KO und Formal ergänzt(vgl. Tabelle 1). Diese integrieren die grundlegenden, bereits als etabliertes Wissen aufgefassten Formalkriterien wissenschaftlichen Arbeitens in die Bewertung. Die Gewichtung der Kategorien erfolgt implizit durch unterschiedliche Punktzahlen. In Tabelle 1 werden diesen Kategorien Anforderungsbeschreibungen und maximale Punktzahlen zugeordnet.

 

Kriterien

KO

Formal

Wissen

Verstehen

Anwenden

Synthese

Anteil in %

20

10

25

35

20

Tabelle 1: Bewertungskategorien und ihre Gewichtung in Prozent für die PA. Das Bewertungsschema ist angelehnt an das Konzept der kognitiven Lernstufen (Bloom 1971; Anderson & Krathwohl 2001)

Die KO-Kriterien

  • Die formalen Konventionen der Abgabe wurden nicht beachtet (Termin, Formate, Namensgebung)
  • Fehlendes Quellen-/Literaturverzeichnis, fehlende Referenzen im Text auf Literatur bzw. Abbildungen
  • Plagiate im Text/Abbildungen.
  • Die Arbeit zeigt, dass das durch die Fragestellung abgegrenzte Stoffgebiet nicht mindestens ausreichend durchdrungen wurde oder bei dem Studierenden grundlegende Lücken in den vorauszusetzenden Kenntnissen vorliegen.

Termine

Mit der PA sind Besprechungs und Präsentationstermine verbunden die individuell mit dem Betreuenden abgesprochen werden

Literatur

  • Anderson, L.W. & D. R. Krathwohl (Ed.), (2001):  A Taxonomy For Learning, Teaching, And Assessing. A Revision of Bloom’s Taxonomy of Educational Objectives. New York: Addison Wesley Longman.
  • Baade, J., Gertel, H. & A. Schlottmann, (2005): Wissenschaftlich arbeiten. Ein Leitfaden für Studierende der Geographie. (UTB 2630) Verlag Haupt Bern.
  • Backhaus, N., & R. Tuor, (2008): Leitfaden für wissenschaftliches Arbeiten. – 7. Auf. – Zürich, (Schriftenreihe / Humangeographie 18) [elektron. Ressource] http://www.google.com/url?sa=t&source=web&cd=1&sqi=2&ved=0CBUQhgIwAA&url=http%3A%2F%2Fwww.geo.uzh.ch%2Ffileadmin%2Ffiles%2Fcontent%2Fabteilungen%2Fhuman%2FPDFs%2FLeitfaden_v7_0.pdf&rct=j&q=Backhaus%20Tuor%20Leitfaden%20Wissenschaftliches_Arbeiten_2008&ei=HaDvTOagHMHusgbes5CgCw&usg=AFQjCNEtZLCzD-N8QnPL_tEDP-sJqNT95A&cad=rja. (Stand: 2008, Zugriff: 24.11.2010)
  • Bänsch, A. (2003): Wissenschaftliches Arbeiten: Seminar- und Diplomarbeiten. 8. Aufl. München: Oldenbourg. 112 S. ISBN 3-486-27355-8.
  • Behrendes L., Cermak, J., Opgenoorth, L., & C. Reudenbach, (2007): Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB v. 0.7), FB 19 Marburg, Diskussionspapier,[elektron. Ressource] http://www.uni-marburg.de/fb19/personal/wiss_ma/reudenbach/courses. (Stand: 15.10.2007), (Zugriff: 10.02.2009)
  • Bloom, B., (1971): Handbook on formative and summative evaluation of student learning. New York, McGraw-Hill. (With J.T. Hastings, G.F. Madaus and others.)
  • Boles, D., (2002): Leitfaden zur Durchführung individueller Projekte, http://www.informatik.uni-oldenburg.de/studium/leitfaeden/Leitfaden-IP.pdf. (Stand:19.09.2002, Zugriff 1.10.2008).
  • BSc. PO (2008): Studien- und Prüfungsordnung für den Studiengang Geographie/Geography des Fachbereichs Geographie mit dem Abschluss Bachelor of Science (B.Sc.) der Philipps-Universität Marburg vom 2. Juli 2008. [elektron. Ressource] http://www.uni-marburg.de/fb19/studium/studiengaenge/bsc-geographie/dokumente/modulbeschreibung/stpo. (Stand: 09.07.2008, Zugriff: 10.02.2009)
  • DFG (1998):Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis: Empfehlungen der Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“; Denkschrift = Proposals for safeguarding good scientific practice / Deutsche Forschungsgemeinschaft. –Weinheim: Wiley-VCH, [elektron. Ressource] http://www.dfg.de/aktuelles_presse/reden_stellungnahmen/download/empfehlung_wiss_praxis_0198.pdf. (Stand: 1998, Zugriff: 24.11.2010)
  • HSchulG HE (2010): Hessisches Hochschulgesetz vom 01.01.2010. [elektron. Ressource] http://www.hessen.de/irj/servlet/prt/portal/prtroot/slimp.CMReader/HMWK_15/HMWK_Internet/med/594/5942de1d-cbd9-521f-012f-31e2389e4818,22222222-2222-2222-2222-222222222222 (Stand: 01.01.2010), (Zugriff: 31.01.2010)
  • Lorenzen, K. (2002): Wissenschaftliche Anforderungen an Diplomarbeiten und Kriterien ihrer Beurteilung [elektron. Ressource] 3. Ausg. HAW Hamburg, FB B/I. http://www.bui.fh-hamburg.de/fileadmin/redaktion/diplom/lorenzen_wissenschaftliche_anforderungen_dipl.pdf (Stand: 10.2.2002, Zugriff: 24.11.2010)
  • Philipps-Universität Marburg (2006): Grundsätze und Verfahrensregeln für den Umgang bei wissenschaftlichem Fehlverhalten an der Philipps-Universität Marburg. [elektron. Ressource] <http://www.uni-marburg.de/administration/satzung/fehlverhalten> (Stand: 2006, Zugriff: 20.6.2007).
  • Philipps-Universität Marburg Fachbereich Geographie (2007): Verbindliche Richtlinien zur Anfertigung von Referaten, schriftlichen Hausarbeiten, Diplom-, Bachelor- und Masterarbeiten im Fachbereich Geographie.[elektron. Ressource] http://www.uni-marburg.de/fb19/studium/wiss_arbeit/richtlinien. (Stand: 18.11.2008, Zugriff: 10.02.2009)