Lehre

Das Bologna Syndrom

Bildschirmfoto - 300313 - 20:50:52

Das Bologna Syndrom – Defizite und Chancen

Studentischer Workload, Passung, Lehrkapazität, Modularisierung, kumulatives Prüfungssystem, Kontaktzeit, konsekutive Studiengänge, Leistungs-punktesystem, Transcripts of Records, Lernergebnisse, Anrechenbarkeitsverfahren, ECTS, Employability,  Kompetenzvermittlung,  – das riecht nicht nur nach, das heißt auch Standardisierung, Bürokratisierung und vor allem Ökonomisierung des Lehrens und Lernens an der Universität.

Und doch ergeben sich auch Chancen und Spielräume wenn diese aktiv genutzt werden. Der Blick wird durch den Bologna-Prozess stärker auf die Bedürfnisse der Studierenden gelenkt. Letztlich gilt es in der ökonomisierten universitären Ausbildung den Spagat zwischen effizienter Berufsausbildung und Lebensbildung zu schaffen. Das vielzitierte und kaum verstandene kompetenzzentrierte modulare Lehren und Lernen, bietet den Spielraum das humboldtsche Bildungsideal nicht aus dem Blick zu verlieren und doch der  Notwendigkeit gerecht zu werden praxisorientiert und anwendungsbezogen auszubilden.

Entwicklung von Kompetenzen

Vor dem Hintergrund einer kompetenzorientierten Ausbildung ist es nicht ganz einfach die Lehr- und Lernziele griffig zu formulieren. Jedoch sind  die vielleicht wichtigsten Aspekte:

  • Erlernen definierter fachspezifischer Fähigkeiten und Fertigkeiten als Grundlage für die jede zielorientierte Handlungsfähigkeit
  • Integration spezifischer didaktischer Methoden zur Wissensaneigung unter der Annahme dass Lernen ein aktiver, selbstgesteuerter, konstruierender, situativer und sozialer Prozess ist
  • Vermittlung analytischer, lösungsorientierter Denk- und Handlungsweisen zur Entwicklung intuitiver und kreativer Problemlösungsstrategien
  • Förderung der eigenverantwortlichen, persönlichen Entwicklung speziell im Hinblick auf Weiterentwicklung der personalen und sozial-kommunikativen Kompetenz

Problemstellungen versus Lösungen

In der  Pädagogik ist es in den letzten Jahrzehnten zu einer Verschiebung vom Objekt des Lernens hin zum Subjekt des Lernens gekommen. Lernende werden nicht mehr als passive oder aktive Rezipienten betrachtet, sondern als aktive Konstrukteure. Hierbei spielt eine authentische Problemorientierung eine entscheidende Rolle für einen gelingendes Lernumfeld. Günstigenfalls  stehen Fragestellungen im Mittelpunkt der Lehre, die für die Lernenden Bedeutung haben, die  neugierig und/oder betroffen machen.

Eine gute Umsetzung im universitären Lehrbetrieb basiert auf dem Unterrichtskonzept des
Problem Based Learning.

  • Das Lernen ist studierendenzentriert und erfolgt in Kleingruppen
  • Ein Tutor betreut und unterstützt den Lernprozess
  • Probleme bilden den Ausgangspunkt und Stimulus für den Lernprozess; an ihnen erwirbt
    der Lernende die erforderlichen Problemlösefertigkeiten
  • Die Lernenden erwerben neue Informationen durch selbstgesteuertes Lernen

Die gerichtete Wissensvermittlung ist nur noch ein Aspekt der Hochschulausbildung. Vielmehr werden Studierende in Ihrer aktiven eigenverantwortlichen Auseinandersetzung mit Fragestellungen begleitet und unterstützt.

Auf dieser Grundlage wird die Lehre in der GI-S Domain entwickelt und umgesetzt. Mehr zu diesem Thema ist der nachfolgenden Literatur zu entnehmen.

Schulze, U.; Kanwischer, D. & Reudenbach, C. (2012): Essential Competences for GIS Learning in Higher Education: A Synthesis of Relevant International Curricular Documents in the GIS&T Domain. In: Journal of Geography in Higher Education. **
Schulze, U.; Kanwischer, D.; Reudenbach, C. (2011): Technikzentrierte Softwareschulung und/oder problemorientierte Denkweise? Theoretische Überlegungen und didaktische Analysen zur geographischen GIS-Ausbildung. In: Tagungsband HGD-Symposium Ludwigsburg 2011: Räumliche Orientierung, Karten und Geoinformation im Unterricht.
Schulze, U.; Reudenbach, C.; Kanwischer, D. (2011): Kompetenzorientierte GIS-Ausbildung in der Hochschule – eine vergleichende Analyse nationaler und internationaler Curricula. GIS.Science.*
Schulze, U.; Kanwischer, D.; Reudenbach, C. (2010): Bologna – Gefahr oder Chance? Ein Praxisbericht aus der geographischen Hochschullehre zum kompetenzorientierten Lernen mit Geoinformation. In: Das Hochschulwesen, 6.2010.*
Schulze, U.; Kanwischer, D.; Reudenbach, C. (2010): Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen – Überlegungen zum curricularen Konvolut für die GIS-Ausbildung in Schule und Hochschule . In: Learning with Geoinformation V. *

Chris Reudenbach