Modellierung in der Geographie

Das Ableiten wissenschaftlicher Konzepte, bzw. allgemeiner Ideen in eine angemessene Modellstruktur ist ein komplexer und nicht schematisch zu erlernender Vorgang. Die Zusammenhänge der realen Welt sind in der Regel so komplex, dass sie nur in einer generalisierten Form verständlich darstellbar oder analysierbar sind. Schon im Alltag konstruieren wir kontinuierlich sogenannte mentale oder kognitive Modelle zur Vereinfachung unserer Weltwahrnehmung (Rasch 2006). Dieser Umstand ist auch in den Wissenschaften bekannt. So notiert der Physiker Bridgman 1927: „ I believe that the model is a useful and indeed inescapable tool of thought, in that it enables us to think about the unfamiliar in terms of the familiar“ (Bridgman 1927, zit n. Niemeyer 2007), während 1972 der Modellierer Rivet schlicht behauptet: „The History of mankind is the history of model building.“ (Rivett 1972).

Die Wahrnehmung und Interpretation der „realen Welt“ sowie die Entwicklung geeigneter Strategien für den praxistauglichen Umgang mit dieser Welt, findet mit dem Hilfsmittel der Abstraktion und Kommunikation (=Modellbildung) statt. Die Strategien der Abstraktion sind widerstreitend und vielfältig, da Kontextabhängigkeit und Zielsetzung des Abstrahierenden einen wesentlichen Einfluss auf die Resultate ausüben („Methode Götterblick“ s.a. Eckmüllner 2007). Das heißt die gewählte Abstraktion der (räumlichen) Welt ist, wissenschaftlich betrachtet, bestenfalls nachvollziehbar und transparent aber niemals wahr. Auch garantiert die logische Validität der Abstraktion weder die Gültigkeit abgeleiteter noch allgemeiner Aussagen. Ob das konstruierte Modell der Wirklichkeit entspricht, also richtig ist, lässt sich daher nicht beweisen. Bestenfalls lässt sich die Gültigkeit für den definierten Zweck nachweisen, nie aber Wahrheit (Bossel 2004).

Angewandte integrative Umweltmodellierung

Integrative Modellierungskonzepte in der angewandten Geographie stellen ein grundlegenden Ansatz zur quantitativen und qualitativen Bearbeitung komplexer raumwirksamer Fragestellungen dar.  Sie ermöglicht eine umfassende Erweiterung des dichotomen geographischen Lehr- und Forschungsgebäude hin zu einem Multi-Paradigmen Ansatz in der Geographie. Dies kann ein zielorientierter Beitrag zur intradisziplinären Vernetzung innerhalb der Geographie darstellen.

Die notwendigerweise zu erwerbende Methoden- und Technikvielfalt steht im Zentrum einer zukunftsweisenden Berufsqualifikation für Geographie-Studierende. Die anwendungsorientierten Fragestellungen schaffen über einen grundlegenden Erkenntnisgewinn hinaus eine gesellschaftswirksame Rückkopplung und somit inhaltliche Bedeutung für das Fach.

Hierzu gibt es einige Beipiele aus Projekten die als Workshops bzw. Lehreinheiten aufbereitet wurden.

Bossel, H., 2004. Systeme, Dynamik, Simulation – Modellbildung, Analyse und Simulation komplexer Systeme. Norderstedt/Germany: Books on Demand.Norderstedt/Germany, 2004
Bridgman, P.W., 1927. The Logic of Modern Physics. New york: Macmillan .
Eckmüllner, O., 2007. Götterblick – oder was?. Östereichische Forstzeitung, 11, 16.
Niemeyer, K.,2007. A Contribution to Model Theory, Scientific Support for the Decision Making in the Security Sector, Ed. Kounchev, O.,  R. Willems, V. Shalamanov & T. Tsachev, Volume 12, 2007, p. 20-25.
Rasch, T., 2006. Verstehen abstrakter Sachverhalte: Semantische Gestalten in der Konstruktion mentaler Modelle . Berlin: Wissenschaftlicher Verlag.
Rivett, P., 1972. Principles of model building. The construction of models for decision analysis. London: Wiley.

<Chris Reudenbach